Die Merkmale des Bière de Champagne

Bier ist ein ganz anderes Getränk als Wein, und doch haben sie die tiefsten Uraspekte gemeinsam. Denn beide sind das Ergebnis einer alkoholischen Gärung, das heißt der Umwandlung eines Teils bestimmter Organismen (der Hefen) des zuckerhaltigen Mosts, der in dem einen Fall (dem Bier) aus Getreide (hauptsächlich Gerstenmalz) und in dem anderen (dem Wein) aus einer Frucht (Traube) besteht.

Dieser grundlegende Berührungspunkt bewirkt, in Ausnahmefällen, dass der Brauer für sein Produkt typische Techniken oder Besonderheiten aus der Welt des Weins nutzen kann, um etwas vollkommen Neues und Originelles zu schaffen. Dieser Art der Vereinigung zweier scheinbar weit voneinander entfernter Kulturen kann auf verschiedene Weise erfolgen.

 

Vom Italian Grape Ale zum Bière de Champagne: die Geschichte der Begegnung von Wein und Bier

So war beispielsweise das Beer Judge Certification Program 2015 den Italian Grape Ales als Bindeglied zwischen Bier und Wein gewidmet. Dieser Biertyp, der maßgeblich von den italienischen Brauern entwickelt wurde, sieht die Zugabe von Traubenmost zum Bier vor. Hierfür gibt es keine genauen Regeln: Das Ergebnis, das immer ein Produkt an der Grenze zwischen zwei Welten sein wird – aber zwangsläufig mehr auf der Bierseite – lässt dem Brauer viel Freiheit. Ein Italian Grape Ale kann hell oder dunkel sein, leicht oder stark, komplex oder mit einfachem Ansatz. Außerdem kann jeglicher Traubentyp und jegliche Verarbeitungsmethode verwendet werden.

Lange vor dem Aufkommen der Italian Grape Ales hatte die Bierbranche bereits die Möglichkeiten untersucht, ihr Getränk mit dem Wein zu vereinen, wobei sie ausschließlich auf den Produktionsprozess vertraute. Einer der faszinierendsten Versuche, der die Entwicklung eines Nischenprodukts ermöglichte, bestand in der Verwendung der sogenannten “traditionellen Methode” der Champagnerherstellung (auch “Méthode champenoise” genannt).

Es gibt nicht viele Biere, die mit diesem Prozess hergestellt werden, allerdings sind ihre Charaktereigenschaft so radikal, dass einige neue Ausdrücke geprägt wurden, um sie definieren zu können. Heute bezeichnet man ähnliche Produkte als “Bière de Champagne/Champagner-Bier” oder seltener “Bière Brut”. Begriffe aus dem Französischen, um die Verbindung zu den Produktionsgewohnheiten des typischen Champagners noch mehr zu betonen.

Alle Eigenschaften der Bière Brut

Champagner-Biere werden wie normale Biere gebraut. Der faszinierende Aspekt ist, dass die große Abweichung vom typischen Bierthema nach dem Abfüllen konkret wird, als ob alles, was nach dem Verschließen der Flaschen passiert, noch tiefen Einfluss auf die Eigenschaften des Endprodukts nehmen könnte. Und genau so ist es, weil die Nachgärung bei den Champagner-Bieren die Hauptrolle spielt, das heißt jener Mechanismus, der im Innern der Flasche aktiviert wird (oder allgemein im Innern des Behälters).

Diese zweite Gärung erfolgt dank der erneuten Aktivität des Hefestoffwechsels nach der ersten Gärung, während der die Hefen die Zucker im Most in Äthylalkohol und Kohlensäure umgewandelt haben. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Nachgärung nicht exklusiver den Champagner-Bieren vorbehalten ist, sondern eine Lösung, die von vielen im Handel befindlichen Bieren genutzt wird. In diesem Fall wird der Prozess bis ins Extrem getrieben, da er alle komplexen Schritte der Champagnerherstellung beinhaltet.

Grundsätzlich werden die Flaschen schräg in einem Winkel von 45° kopfüber angeordnet, so dass sich die erschöpfte Hefe im Flaschenhals am Verschluss absetzen kann. Diese Phase wird “Remuage” genannt. Nach einer bestimmten Zeit werden die Flaschen geöffnet oder “degorgiert”: der Kronkorken, der die Flasche verschließt, wird entfernt und die Hefen werden herauskatapultiert. Danach kommt das Auffüllen, bei dem normalerweise eine “Versanddosage” zugegeben wird, die für die endgültige Reifung in der Flasche verantwortlich ist. Am Ende werden die Flaschen mit einem neuen Verschluss (diesmal ein Korken mit Agraffe) verschlossen. Es folgt die Reifung des Biers, die weitere Monate dauern kann. Man mag erahnen, dass der gesamte Prozess ziemlich vielgliedrig ist und geraume Zeit erfordert.

Aber das Warten wird durch das Endergebnis reich belohnt. Denn der Prozess verleiht dem Bier einen extrem raffinierten, eleganten Charakter, genau wie bei einem sehr guten Schaumwein. Die Karbonisierung ist lebhaft, dabei aber auch fein, das Aromaprofil prägnant und gleichzeitig zart, der Abtrunk trocken. Trotz des in der Regle eher hohen Alkoholgehalts lässt sich ein gutes Champagner-Bier gut trinken und ist extrem zufriedenstellend, auch in seiner Anmut.

Es sind Produkte, die “frisch” getrunken werden können oder die man über Jahre altern lassen kann: Im zweiten Fall neigt ihr Profil dazu, sich zu ändern, bewahrt jedoch einen absolut besonderen Charakter.